Marinebuchbinder
Menschliche Abgründe
Sieben Jahre - Peter Stamm

Eine Geschichte, die man eigentlich nicht im Bett lesen will. Es gruselte mich tatsächlich fast durchgehend beim Lesen wegen der menschlichen Abgründe, die sich dabei auftaten. Es ist gar fürchterlich. Und dabei ist der Schreibstil ziemlich direkt und lässt keinen Raum für Interpretationen.

Den Protagonisten finde ich nahezu widerlich, wie er sich vor jeglichen Verantwortungen versteckt und wegduckt. Er lässt sich vom Leben treiben, verteilt Schuld großzügig und hinterfragt dabei sich selbst nie. Zusätzlich kann ich sonst auch niemanden in diesem Buch leiden. Alle sind mit sich beschäftigt, verfolgen das Leben, das man angeblich leben sollte und leben dabei doch nicht. Es ist tragisch. Oft wollte ich die Personen anschreien und das Buch in die Ecke werfen. Und auch das hätte mir nicht geholfen. Es ist und bleibt ein Buch, bei dem man einen ekligen Geschmack im Mund behält.

Gut gemacht, aber eben nicht zum Wohlfühlen

Review
2.5 Stars
Ääh...Moment mal kurz
Lasst die Bären los - Michael Walter, John Irving

Ich bin eigentlich Fan von John Irving. Aber wenn Sätze schon mit "eigentlich" anfangen, dann kann es nicht wirklich gut enden.

Ich hatte mich sehr auf "Laßt die Bären los" gefreut. Und es ist bei mir auch nicht ungewöhnlich, dass ich bei Irvings Werken erstmal 100 Seiten brauche, um mich in seinen wirren und ausschweifenden Schreibstil einzulesen. Es passiert nicht selten, dass Dinge abstrus beschrieben werden und ganz klein, in einem unbedeutenden Nebensatz dann irgendwelche wichtigen Personen sterben oder aus dem Nichts auftauchen. Es sind nie Bücher, die man mal eben nebenbei oder im Bett liest. Aufmerksamkeit ist gefordert. Zumindest von mir.

Doch dieses Mal brauchte ich keine 100 Seiten zum Reinfinden, sondern geschmeidige 350 Seiten. Wie gut, dass das Buch über 500 davon besitzt. Da kann man ordentlich Anlauf nehmen. Ich war tatsächlich auch zu stolz um aufzugeben. Gegen Ende, als ich mich wohler mit dem Buch fühlte, machte das Lesen auch wieder Spaß. Aber die erste Hälfte war mehr Qual als Vergnügen. Die Geschichte ergab für mich keinen Sinn, ich wusste so gar nicht wohin die Reise gehen sollte. Und dann wird, nachdem man sich einigermaßen zurechtfindet, ein Zwischenteil eingeschoben, in dem es um die Vergangenheit und Vorgeschichte des einen Protagonisten geht. Nebenbei werden auch einige Irrungen und Wirrungen des 2. Weltkrieges behandelt. 

Ständig hatte ich das Gefühl, dass Irving 2936 Ideen in ein Buch packen wollte. Ein wenig anstrengend. 

Nichtsdestotrotz gehe ich nicht mit einem allzu schlechten Gefühl aus der Sache heraus. Es ging dann, falls ich mich nicht vollkommen täusche, doch um Freundschaft und Verbundenheit und um Freiheit - für Mensch und für Tier.

Eigentlich ganz schön

Review
4 Stars
Schrulligkeit gewinnt
Die Vermessung der Welt (Rachuba świata) - Daniel Kehlmann

In irgendeinem Zusammenhang hat man die die Namen "Gauß" und "Humboldt" sicherlich schon gehört. Und vermutlich hat man dann nur sehr weise Wissenschaftler vor seinem inneren Auge gesehen. Mir ging es zumindest so. Jegliche Genies aus den vorangegangen Zeiten sind für mich immer anständige, weise und gesetzte Herren. 

Doch bei Daniel Kehlmann strotzen Gauß und Humboldt nur so vor Eigenarten, Eigensinnigkeit und Schrullen. Es ist herrlich menschlich. Nur allein deswegen würde ich dieses Buch jedem empfehlen. 

Man begleitet sowohl Gauß als auch Humboldt auf ihren jugendlichen Wahnsinn. Ist dies ein Tatsachenroman? Sicherlich nicht. Aber darum geht es auch gar nicht. Es wirft ein sehr menschliches Licht auf zwei große Wissenschaftler. Gerade das finde ich sehr erfrischend und bezaubernd. Lesen! 

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3.5 Stars
und es gab sie doch
Die Päpstin - Donna Woolfolk Cross, Wolfgang Neuhaus

Nun gut, diese Geschichte ist mir nicht neu: Angeblich soll im 9. Jahrhundert für zwei Jahre eine Frau auf dem Thron der katholischen Kirche gesessen haben. Mit dieser Legende (oder laut Autorin diesem Fakt) beschäftigt sich die Geschichte. Zum Glück gipfelt das Buch erst in der Tatsache, dass Johanna Papst wird. Denn zu diesem Zeitpunkt kann ich sie nicht mehr unbedingt leiden. Als Johanna ein Kind ist, ist sie wissbegierig, neugierig und trotzig, weil sie nicht einsehen kann, dass nur Jungs lernen dürfen. Da darf man schon mal bockig sein. Und auch wie sie für sich einsteht und für ihre Bildung kämpft fand meine Sympathie. Doch je weiter Johanna, mittlerweile verkleidet als Mann, in der Kirchenhierarchie kommt, desto mehr finde ich sie anstrengend. In meinen Augen verliert sie ihre Ideale. Es geht nicht mehr unbedingt darum viel Wissen zu erlangen, sondern auch Macht. Natürlich verstehe ich die Argumentation dahinter - nur wer Einfluss hat, kann auch sein Wissen anwenden. Aber was ist für Johanna vorrangig? Da bin ich mir nicht immer so sicher... Außerdem kann Johanna immer alles, ihr gelingt alles und sie trifft immer die besten Entscheidungen. Ein wenig zu unfehlbar für mich.

Aber vermutlich widerstrebt mir auch einfach die Ansichten eines streng religiösen Zeitalters. Das vehemente Machtgehabe und das Unterdrücken von jeglichen Menschen, das nervt meine emanzipierte Persönlichkeit.

Nichtsdestotrotz war es unterhaltsam, dass eine Frau die ganze Kirche an der Nase herumgeführt hat. Allein deswegen möchte ich an die Päpstin glauben!

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4 Stars
Schöne neue Welt...
Der Report der Magd: Roman - Margaret Atwood, Helga Pfetsch

...oder eben nicht. Was für ein entsetzliches Buch. Was für eine schreckliche Vorstellung. Hier geht es um eine Dystopie, in der Frauen eine besondere Rolle zugewiesen bekommen. Für einen ganz kurzen Moment denkt man sich: Toll, wir Frauen sind ja auch super.

Aber hier geht es nicht darum, die Frauen zu feiern. In dem fiktiven Staat Gilead werden Frauen in unterschiedliche Klassen eingeteilt. Theoretisch ist es die höchste Aufgabe Kinder zu gebären. Aber nur mit zugeteilten, ranghohen Männern. Und sollte die zugeteilte Frau, die Magd, nicht schwanger werden, ist das natürlich ihre Schuld und wird ausgemustert. Hallo Mittelalter. Frauen sind nur noch Objekte, Gefäße, die leer und zu füllen sind. Es ist bitter und widerlich. Und am entsetzlichsten finde ich, dass viele dystopische Ideen von Margaret Atwood mir gar nicht so fremd vorkamen. Das alles hat es gefühlt schon mal gegeben. Kinder, die ihren Eltern entrissen werden, um sie an kinderlose "würdigere" Eltern zu geben. Frauen, die unterdrückt und missbraucht werden. Frauen, die Frauen misshandeln - physisch und psychisch. Die Liste ist endlos und schrecklich. 

Ein mahnendes Buch, dass mir als Frau besonders vor Augen führte, wie wichtig es ist für sich und andere einzustehen und es sich nicht gefallen zu lassen unterdrückt zu werden. Wie klein und harmlos es einem vielleicht auch manchmal erscheint...Ich bin niemandes Liebchen und ich gehöre auch niemanden!

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3.5 Stars
Von Herzschmerz und Mord
Eine Studie in Scharlachrot -  Arthur Conan Doyle

Der gute Mister Sherlock Holmes. In "Eine Studie in Scharlachrot" begegnen wir ihm und Mr. Watson zum ersten Mal. Eine kuriose Begegnung, die gleich zeigt, was für ein verquerer und verschrobener Vogel doch Holmes ist. Aber nicht ganz so bizarr wie ich ihn mir manchmal vom Hörensagen vorgstellt habe. Sicherlich, so richtig gesellschaftskonform ist er auch nicht ("Wen interessiert schon das Sonnensystem? Es hat ja doch keinen direkten Einfluss auf mein Leben"). Manchmal frage ich mich sogar, ob er nicht einige autistische Züge hat mit seinen Inselbegabungen. Aber das sei mal so dahin gestellt.

Die Geschichte verliert keine Zeit und springt quasi direkt in den Fall, der die Londoner Polizei und Watson vor lauter Rätsel stellt. Nur Holmes scheint gleich den Durchblick zu haben. Daran lässt er Watson, und somit auch den Leser, beschränkt teilhaben - genug um an der Stange und neugierig zu bleiben. Und plötzlich ist der Mörder geschnappt und man sich nur fragt: "Hä?? Wie jetzt?" und wird damit allein gelassen. Denn spontan wechselt der Spielort und alle Figuren. Zunächst etwas verwirrend, bis man schnallt, dass das die Vorgeschichte ist. Aber eine kleine Vorwarnung wäre schon nett gewesen. Nichtsdestotrotz ist auch die Vorgeschichte spannend und mit Herzschmerz versehen. Am Ende finden die beiden Geschichten doch noch zusammen und Sherlock Holmes bietet seine grandiose Schlussfolgerung (war ja fast selbsterklärend und offensichtlich... ;-D).

Eine schöne, kurzweilige Geschichte, die ein gutes Maß an Spannung und Liebeskummer bietet. Man bleibt ein Holmes-Fan

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4 Stars
Sodom und Gomorrha
Der Name der Rose - Umberto Eco, Burkhart Kroeber

Ein Klassiker schlechthin. Und zunächst erfüllt er das Klischee eines Klassikers: es liest sich am Anfang eeeetwas holprig. Doch kaum nach 100 Seiten hat man sich eingelesen und ist aufnahmefähig für den feinen Humor und Sarkasmus, der einem zwischen den Seiten entgegenweht. Und natürlich schlägt mein Herz für William - ein englischer Mönch, der mit dem selbigen, landestypischen Humor gesegnet ist. Dieser ist mit dem Novizen Adson unterwegs (aufgrund allerlei politischen und kirchlichen Wirrungen, die ich vermutlich nur halb verstanden habe). Beide gelangen zu einer Abtei, in der sich bald die Ereignisse überschlagen. Wie die Fliegen sterben die Mönche, immer unter mysteriösen Umständen. William, ehemaliger Inquisitor, soll dem Morden ein Ende setzen und "ermitteln". Schnell wird klar, dass die Bibliothek eine große Rolle spielen muss. Diese wird gehütet und ist geheimnisumwoben. 

Zuerst dachte ich, dass das jetzt so ein Mittelalterklopper ist, gespickt mit religiösen Brimborium. Und sicherlich gibt es viel religiöses Gedöns, aber dieses wird oft von William spitzfindig hinterfragt und auf die Probe gestellt. Schön fand ich das. Außerdem gefiel mir auch der Krimianteil in diesem Buch.

Schlussendlich stellt sich heraus, dass all die Leute sterben mussten, weil ein Mönch ein Buch versteckte, welches den Humor und Sarkasmus guthieß. Absolut angemessen muss ich doch da sagen....

 

Abschließend sei eine Stelle zitiert, die mir unter all den vielen, besonders gut gefiel:

>>Wie schade!<< rief ich enttäuscht. >>Ich wäre gern einmal beim Spazierengehen im Walde einem Einhorn begegnet! Wozu geht man sonst im Walde spazieren?<<

Ja, wozu? Berechtigte Frage

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3.5 Stars
Nein zum Staubsauger
Die Teppichvölker - Terry Pratchett, Andreas Brandhorst

Ich habe es schon immer gewusst: staubsaugen bringt nichts Gutes! Und mit "Teppichvölkern" wurde mir dies bestätigt.

Terry Pratchett beschreibt Völker, die in einem Teppich wohnen. Wer hätte das bei diesem Titel ahnen können. Nun ist die Vorstellung aber gar nicht so weit hergeholt, denn wer weiß schon, was da alles so kreucht und fleucht. Somit findet dies schon mal meine Begeisterung. Einzig und allein verwirrte mich zu Beginn die Vermischung von Fantasie und Realität. Es gibt fiktionale Tiere im Teppich wie "Snargs", aber auch gut bekannte Silberfischchen (Vorsicht. Superböse!), ist die Holzwand nur eine Holzwand oder bekommt man irgendwann raus, dass es sich tatsächlich um ein Streichholz handelt. Dementsprechend muss man ziemlich gut aufpassen und immer wieder die Dinge hinterfragen. Aber man gewöhnt sich dran und erfreut sich an den Abenteuern, die die Demii, Defmeten und Konsorten miteinander und gegeneinander erleben. Und stetig leben sie und der Leser in der Angst vor dem Großen Scheuerer, der alles vernichtet.

Besonders hübsch finde ich das Nachwort. "Die Teppichvölker" beruhen nämlich auf einer Kolumne von Pratchett aus dem Jahr 1965, und die bekommt man mal nebenbei auch ausschnittsweise präsentiert. Nett finde ich das. Und zusätzlich ist das Buch auch mit Illustrationen "vom Großmeister höchstselbst" gespickt.

Man merkt aber, dass die Scheibenweltromane später entstanden sind und der spitzfindige Humor, den ich so sehr bei Pratchett liebe, noch Raum zum Entwickeln hatte. Schön ist es dennoch!

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4 Stars
Mein Herz schlägt für Tang
Der Roboter, der Herzen hören konnte: Roman - Deborah Install, Susanne Goga-Klinkenberg

Ein Buch voller Herzenswärme und Liebe. 
Es geht an sich um Ben, der mit seiner Ehe und seinem Leben so vollkommen im Unreinen ist und um Tang, den kleinen Roboter, der plötzlich aus dem Nichts erscheint. Es kommt, wie es kommen muss - Ben kümmert sich um Tang, denn Tang leckt und keiner weiß so genau, wie man ihn reparieren soll.

Und auch das ist klar - Ben lernt das Leben lieben und Verantwortung zu übernehmen durch den Roboter. Also, man muss sagen, dass die Handlung an sich keine großen Überraschungen birgt. Doch was mich so sehr verzaubert hat, ist die Beschreibung von diesem zuckersüßen Roboter. Ein viereckiger Kasten, der alles wie ein Kleinkind lernt. Und dazu gehört eben nicht nur nett und lieb zu sein, sondern auch Trotzanfälle vom Feinsten zu bekommen und Ben zu manipulieren. Und wie das oft auch bei Kindern so ist, steckt in Tang unglaublich viel naive Weisheit, die mich dann doch berührte.

Ein Buch, das man mal so zwischendurch lesen kann und am Ende einfach ein schönes, wohliges Gefühl im Bauch hat. Schön ist das

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1.5 Stars
Zäh wie Gummi
Thomas & Mary - Marty Parks

Wo soll ich anfangen? Eigentlich dachte ich, das wird ein Buch mit Tiefenpsychologie. Mit Vorwürfen, Anschuldigungen und Selbsterkenntnissen. 

"Thomas&Mary"ist ein Roman über eine Ehe, die schon am Ende ist. Es gibt aber kein Geschirrgewerfe oder Aufgestampfe. Das stört mich auch nicht. Was mich aber nervt ist das Selbstmitleid, hauptsächlich von Thomas, der der Erzähler ist. Natürlich ist bei einer Trennung auch Selbstmitleid dabei. Aber da ist doch noch so viel mehr. Es ist ein ziemlich oberflächlicher Roman, der mir durchgehend ein gereiztes "ooaahrr" hervorlockte. Vielleicht war ja auch das das Ziel...vielleicht aber auch nicht

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So lässt es sich aushalten an einem Sonntag
So lässt es sich aushalten an einem Sonntag
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3.5 Stars
Die Liebe und die Angst
Rimbaud und die Dinge des Herzens - Samuel Benchetrit, Olaf Matthias Roth

"Weißt du, Charly, man muss lieben ... Im Leben muss man lieben, und zwar sehr. Man darf niemals Angst haben, zu sehr zu lieben. Das ist wahrer Mut! Sei niemals egoistisch, was dein Herz angeht. Wenn es voller Liebe ist, dass zeig das auch. Lass dein Herz aus dir heraus und zeig es aller Welt ...  Es gibt nicht genügend mutige Herzen ... Es gibt nicht genügend Herzen, die ganz nach außen gekehrt sind. Ich rede hier von deinem persönlichen Glück ... Damit dein Leben schön wird, musst du so stark wie möglich lieben. Verachte diejenigen, die dich warnen wollen. Sie werden weniger glücklich sein als du. Diejenigen, die den Schmerz fürchten, glauben nicht an das Leben ... Wenn du jedoch einem liebenden Herzen begegnest, folge ihm, mach es zu deinem Freund, lerne von seinem Beispiel, damit dein eigenes erfüllt wird! Verstehst du Charly ... Was auch geschieht, sieh zu, dass dein Herz immer voll ist. Pass auf dein Herz auf..."

 

Ein kleiner Junge, der manchmal viel zu alt fühlt für sein Alter. Berührend. Kinder sind mit sich und ihren Emotionen oft ehrlicher, als wir Erwachsenen, die mit Angst gefüllt sind.

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3.5 Stars
Erwachsen sein dagegen sehr
Der Fänger im Roggen (Taschenbuch) - J.D. Salinger, Eike Schönfeld

Ach Holden, wie vielen Jugendlichen geht es so wie dir? Kein Kind mehr und auch noch kein Erwachsener. Wie schwer es ist sich manchmal in der Welt zurechtzufinden. Seinen Platz zu behaupten, vor allem wenn man das Gefühl hat, dass es keinen Platz für einen gibt. 

Es wundert mich nicht, dass das Buch damals als sehr kontrovers eingestuft wurde und mitunter verboten war. Es geht um nichtgesellschaftswillige Jugendliche, Alkoholkonsum, Homosexualität, Identitätskrise und psychische Probleme. Darüber redet man aber auch wirklich nicht...

 

"Unter anderem wirst du erkennen, dass du nicht der Erste bist, der vom menschlichen Verhalten verwirrt und verängstigt und sogar angewidert ist." 

Und während des Lesens fragt man sich, ob Holden eben nur ein rebellischer Jugendlicher ist, der nicht gewillt ist beim "American dream" mitzumachen oder ob er vielleicht doch ernstere Probleme hat, wie zum Beispiel den nicht verarbeiteten Tod seines Bruders. 

Zurecht ein Klassiker!

 

!!! spoiler alert !!! Review
3 Stars
Ach, die Liebe
Der Blickeine Liebesgeschichte In C Moll - Carlos Puerto

Ein Buch über die erste Liebe. Was kann das kitschig sein. Aber tatsächlich ist dieses Buch eher traurig schön, als rosarot und klebrig. 

Es geht um schweres Verknalltsein, Sehnsucht, Selbstzweifel, Zweifel und Misstrauen dem  Anderen gegenüber. Alles was einen eben beschäftigt, wenn man sich auf einen anderen Menschen einlässt.

Was mir gut an der Geschichte gefallen hat, ist, dass Ada nicht zerbricht an der Liebe, auch wenn es ihr zuerst so vorkommt. Wie das so ist bei der Liebe - man denkt immer nach dem Verschwinden der Liebe, dass es unmöglich ist weiter zu machen. Doch Ada macht weiter und wird stärker dadurch. Keine blöde, kitschige Moral und am Ende kann sie nur glücklich sein, wenn der Typ zurück kommt und sie auf immer und ewig zusammenbleiben. Am Ende erkennt sie, dass sie allein ganz wundervoll ist. Schön! Aber es ist ein Jugendroman und das merkt man an dem Schreibstil und den Sichtweisen von Ada. Das ist an sich nicht schlimm, aber ich bin offensichtlich nicht mehr so jugendlich ;-). 

Review
4 Stars
Abstruses im Alltag
Die Welt ist nicht immer Freitag - Horst Evers

Das Glücksbrötchen

(...) Beschließe, bis Thomas kommt, mich noch ein wenig mit meinem Glücksbrötchen zu unterhalten. Mein Glücksbrötchen war ungefähr vor 8 Wochen in mein Leben getreten. Damals hatte ich mir vier Brötchen zum Frühstück gekauft, aber nur drei gegessen. Am nächsten Tag kam ich irgendwie nicht so recht zum Frühstücken, am übernächsten nicht mal so richtig zum Aufstehen, gibt solche Tage. Das übrig gebliebene Brötchen wurde mit der Zeit ziemlich oll. Irgendwann wollt ich das dann auch nicht mehr essen. Wegschmeißen macht ich es auch nicht, immerhin war es ja Brot, also machte ich es schließlich zu meinem Glücksbrötchen. Schien mir das Vernünftigste.

Heute ist es mir richtig ans Herz gewachsen. Ganze Tage sitzen wir manchmal in der Küche und reden über Gott und die Welt. Zwar hat das Brötchen ganz eigene Ansichten über die Schöpfungslehre, hält den Bäckermeister von nebenan für Gott und hegt zeitweise beinah rassistische Vorurteile gegen Vollkornbrot, aber ansonsten ist es wirklich ein feiner Kerl. Wenn wir gemeinsam spazieren gehen, ich ihm ein bisschen die Stadt zeige, dann ist das schon ein herzerwärmender Anblick. Ein Mann und sein Brötchen, was kann es Schöneres, Natürlicheres geben. Klar, hinter unserem Rücken wird oft getuschelt: "Das Brötchen ist doch viel zu jung für den, das geht nicht gut. Irgendwann ist das Brötchen älter, nicht mehr so frisch, er trifft ein hübsches Croissant...und dann? Dann steht das Brötchen vor den Krümeln der Beziehung."

Aber unsere Freundschaft ist uns wichtiger als das Gerede der Leute.

 

Eine Buch mit gesammelten Kurzgeschichten, die einen so grandiosen trockenen und subtilen Humor pflegen, dass ich jedem dieses Buch an Herzen legen möchte. 

Es ist grandios.

Review
3 Stars
Die Karawane zieht weiter
Helden des Olymp, Band 4: Das Haus des Hades - Rick Riordan, Gabriele Haefs

...es gibt zwar keinen durstigen Sultan, dafür aber eine übermächtige Gaia. Weswegen unsere Helden immer noch unterwegs sind. Ich finde es absolut in Ordnung, dass sich so ein dramatisches Problem hinziehen kann. Man muss ja nicht gleich alles innerhalb von einem Buch gelöst haben, das war bei der "Percy Jackson Reihe" ja auch nicht so. Doch allerdings haben die Bücher für mich ein wenig den Esprit verloren. Man merkt es vor allem in diesem Band an den unterschiedlichen Erzählsträngen. Es gibt Percy und Annabeth, die im Tartarus dahinwandeln, und den "neuen" Rest, der auf der Argus II rumgurkt. Die Figuren Percy und Annabeth sind in meinen Augen sehr viel ausgereifter und geformter. Womöglich liegt es auch nur daran, dass man nun schon einige Bücher über sie gelesen hat, aber bei ihnen gerate ich schon mal ins Schmunzeln. Da habe ich mich immer etwas gefreut, wenn wir mal wieder in der Unterwelt waren (sollte wahrscheinlich nicht der Grundgedanke sein). Leider kommt man immer wieder zu den neuen Figuren zurück, die immer etwas farblos und oberflächlich geblieben sind. Jeder hat nur eine Charaktereigenschaft (laaaaaangweilig!) Anders ist wohl das ganze Konstrukt auch nicht tragbar, denn bei so viel Abenteuer, das sie erleben, ist eben nicht genügend Raum für tiefer gehende Analysen. Und das ist etwas, was ich sehr öde finde. Es ist eine Aneinanderreihung von Kleinstkatastrophen. Kein Witz mehr. Keine Partyponys. Ziemlich bedauerlich. Früher gab es eine ordentliche Geschichte zu den Widersachern, mittlerweile kommt dies sehr kurz. 

Helden des Olymp ist eine Reihe, die ich mal sehr begeistert angefangen habe. Sie gefällt mir noch immer, aber jetzt lese ich sie eher aus Pflichtgefühl weiter. Nichtsdestotrotz hoffe ich beim großen Finale auf mehr. Und wenn es nur die Partyponys sind