Marinebuchbinder
Review
5 Stars
Alte Liebe rostet nicht
Tintenherz (Tintenwelt, #1) - Cornelia Funke

Es gib Bücher, die einen immer begleiten. Und Tintenherz gehört bei mir sicherlich dazu. Ich kann es immer wieder lesen und fühle mich gleich wieder zu Hause. Cornelia Funke kann mich in ihren Bann ziehen. Quasi mühelos spinnt sie mit Worten eine Welt, Charaktere, die man liebt und welche, die man fürchtet. Mein Herz habe ich einfach an Staubfinger und Elinor verloren. Es ist hoffnungslos. Der einzige Makel, den es eventuell gibt, ist, dass ich Meggi nicht immer leiden kann. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass sie eben erst ein zwölfjähriges Mädchen ist, das manchmal eben nervig naiv ist und sich selbst überschätzt. 

Dennoch ist es DAS Buch, was so viel beeinflusst hat in meinem Leben. Denn wie kommt man sonst darauf Buchbinder zu werden, wenn Cornelia Funke es einem nicht sagt?

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5 Stars
Heimatliebe
Altes Land: Roman - Dörte Hansen

Ach, der gute alte Norden. Als Norddeutsche sieht man das sicherlich verklärt, aber die Menschen in diesem Buch haben mein Herz gewonnen. Mit ihrer scheinbaren Distanz und Hartherzigkeit. Ich habe mich dabei erwischt, wie ich das Buch in norddeutscher Dialektik gelesen habe. 

Es geht um Vera, die als Kind aus Ostpreußen fliehen musste und Anne, die aus Hamburg flieht vor den anderen Vorzeigemüttern und ihrem Freund, der ohne sie eine neue Familie gründet. Doch auch die Nebendarsteller sind ganz großartige Charaktere. Der Nachbar Heinrich, Hinni, Lührs, der einfach nicht begreifen kann, dass keiner seiner drei Söhne den Hof übernehmen möchte. Oder Dirk zum Felde, der die neuen Landflüchtigen, die die Romantik des Dorfes so wundervoll finden, so gar nicht leiden kann und es sie auch auf norddeutsche Art direkt und unverblümt wissen lässt. 

Viele empfinden die Norddeutsche als Dickköppe, nicht sozial fähig und Eigenbrötler. Ich sehe das bestimmt anders. Ich weiß um ihre Herzlichkeit, die man eben in der kleinen, schroffen Geste finden muss. Doch wer die Nordlichter nicht kennt, sollte dieses Buch lesen, um sie zu lieben. Ein ganz ehrliches und schnörkelloses Buch.

Und Winter im Norden ist übrigens so:

Eisregen, Schneeregen, Starkregen, Nieselregen, Schauerregen

Wenn einem da nicht das Herz aufgeht, weiß ich es auch nicht!

 

 

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5 Stars
Zart und leise
Der Club der singenden Metzger - Louise Erdrich, Renate Orth-Guttmann

so kommt diese Geschichte daher von Fidelis Waldvogel, seiner Frau Eva und Delphine Watzka. Es ist keine klassische Liebesgeschichte, kein schnöder Roman, es ist das Leben. Und das wird hier so sensibel beschrieben, dass es mir die Tränen in die Augen getrieben hat bis ich laut aufschluchzen musste. 

Eine so liebevoll geschriebene Geschichte über Liebe, Freundschaft, Fliehen und ein zu Hause finden, sich annähern, entfremden und verzeihen, die einem gleich das Herz wärmt, obwohl nicht nur herzerwärmende Dinge passieren. Tatsächlich geschehen viele grausame Dinge. Doch erzählt werden die voller Hingabe und Zärtlichkeit, dass ich ganz verliebt bin in diese zauberhafte Erzählung, die sich ganz unaufgeregt und leise an einen schmiegt.

Quote
...schickte sie ein Gebet gen Himmel, das ihr für diese Situation passend erschien. "Ich spuck dir ins Gesicht, Gott!"

Der Club der singenden Metzger

(Louise Erdrich)

Schubladenallerlei
Tödliche Schnitte - Thriller. - Rick R. Reed

Ein rasanter Start. Man wird nicht lange hingehalten sondern gleich mit viel Blut und Widerwärtigkeiten konfrontiert. An sich eine gute Sache für einen Psychothriller. Allerdings habe ich mich gefragt: "Was soll nun die restlichen 300 Seiten passieren?".

Nun, Ermittlungsarbeit. Aber auch nicht so richtig. Denn der Protagonist und seine Kompanie findet eigentlich gar nichts heraus. Die sind damit beschäftigt plumpe Witze zu reißen, Donuts zu essen (Schublade auf) und ihre Vorgesetzten saublöd zu finden (Schublade zu). Die meiste Arbeit macht tatsächlich die supernervige Journalistin (Schublade wieder auf), die für eine gute Story alles machen würde. Dementsprechend hoch ist ihr Ehrgeiz. Bringt ihr am Ende allerdings nicht besonders viel. 

Der Protagonist ist ein Stereotyp von amerikanischen Cop: knallhart, liegt immer moralisch richtig, auch wenn er dabei aneckt und sieht natürlich nicht, dass er einen arschvoll Psychoproblemen hat, DENN er ist ja knallhart...ein bisschen platt.

Den Täter lernt man schon zu Beginn der Geschichte kennen. An sich ein spannend angelegter Charakter, bei dem man es leider verpasst hat ihm mehr Tiefe zu geben! 

Eine gute Grundidee, aber nicht sonderlich ausgereift...schade

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3.5 Stars
Die Anwesenheit von Orm
Der Schrecksenmeister - Walter Moers

Ich glaube, ich habe zu lange gewartet...

Zuallererst: ich liebe Walter Moers, seine Welten und die Schlösser, die er mit seinen Worten in meinen Kopf zu zaubern vermag. Fantastisch ist eben der treffende Begriff. 

Nichtsdestotrotz habe ich mich schwer getan. So viele Aneinanderreihungen und Aufzählungen, die ich, ich muss es gestehen, irgendwann nur noch grob überflogen habe. Mir fehlte oft der feinsinnige Witz. Obwohl er durchaus anwesend war:

"Heil Käsar"

Ich kann gar nicht so genau betiteln, warum dieser Walter Moers mich nicht restlos begeistert hat. Bin ich vielleicht dessen einfach zu spießig geworden? Zu eingeschränkt in meiner Vorstellungskraft? Dieses Fazit, was ich meine daraus ziehen zu müssen, stimmt mich wahnsinnig traurig. 

Aber das Fazit vom Fazit: Ich lasse mich davon nicht abhalten und werde weiterhin Walter Moers lesen. Nur weil Hildegunst von Mythenmetz es dieses Mal etwas mit dem Orm übertrieben hat oder ich nicht erleuchtet genug bin, um jenes zu begreifen, höre ich nicht auf diese Wunderwerke mir einzuverleiben! Und darauf erst mal ein Bienenbrot

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2 Stars
Grundsolide
Die Grausamen Sterne Der Nacht - Kjell Eriksson

Ein Schwedenkrimi, der eher mittelmäßig packend ist. 

So richtig hat mich der Krimi "Die grausamen Sterne der Nacht" nicht mitgerissen. Es gibt viele Kommissare, mit vielen schwedischen Namen. Aber ich habe keinen richtigen Bezug zu einen von ihnen gefunden. Nicht einmal zur "Protagonisten". Alles blieb etwas farblos, uninteressant und halbherzig beschrieben. Es schwappte so vor sich hin. Und die typische Psychopathin, die in keinem Schwedenkrimi fehlen darf, erscheint auch langweilig. Nicht weil sie nicht vollkommen Banane im Kopf ist, das ist sie tatsächlich. Doch der Schreibstil packt einen nicht. Ich habe Spannungsbögen nicht nur vermisst, sondern verzweifelt gesucht. Die Geschichte war nicht fesselnd und absolut absehbar. Ein Buch, das man mal zwischendurch lesen kann und sonst nicht viel Aufmerksamkeit investieren möchte. Aber ich weiß genau, dass es zu dem Sortiment gehört über das man sagt: "Ja, doch, das habe ich gelesen. Allerdings kann ich mich an nichts davon erinnern!"

Und schon verblasst der Name der Kommissarin...

Bezwingung des Mount Everest

...ist ein Kinderspiel im Vergleich zum Lesen von "Die Frequenzen" von Clemens J. Setz. Zumindest für mich. Was habe ich mich schwer getan. Ich brauchte ungefähr 250 Seiten um mich überhaupt an den sehr ausschweifenden Schreibstil, der Kreise zieht, so groß wie Weltmeere, zu gewöhnen. Und dann hat man erst ungefähr ein Drittel geschafft.

 

 

Wer Schwierigkeiten hat mit unterschiedlichen Sichtweisen und Perspektiven: Herzlich Willkommen in der Hölle.

Nicht nur, dass alle Nase lang irgendjemand anderes den Erzählstrang in der Hand (oder Pfote...jaha, genau) hält, nein, man wird auch nur häppchenweise informiert, wer all diese Erzähler sind.

Alle, wirklich alle, haben irgendwie ein, wie auch immer geartetes, psychisches Problem. Sicher, vermutlich nicht weit weg von der realen Welt. Aber es ist doch relativ schwer zu ertragen. 

Und an sich weiß ich nicht genau, was mir der Autor sagen möchte. Denn eigentlich plätschert die Geschichte nur vor sich hin, sie reiht sich einander wie eine Traubenzuckerkette. Leider sind alle Traubzuckerkügelchen schon angelutscht, dreckig und gespickt mit Fusseln. Unschön.

 

Möchte ich dieses Buch empfehlen: ich glaube nicht. Vermutlich tue ich dem Autor unrecht und ich verstehe seine Kunst nur nicht. Doch außer Qual ist bei mir kein weiterer Eindruck hängen geblieben. 

 

 

 

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