Marinebuchbinder
Review
3.5 Stars
und der Vorhang fällt
Helden des Olymp, Band 5: Das Blut des Olymp - Rick Riordan, Gabriele Haefs

Der letzte Teil. Lange hatte ich ihn mir aufgespart - teilweise weil ich ihn mir aufheben wollte und teilweise, weil ich Angst hatte, was da auf mich zu kommen mag. Vor allem nach dem Vorgängerband. Aber es war gar nicht so schlimm (unter uns Norddeutschen: das ist als Lob anzusehen. Ich weiß, ihr versteht mich).

Nun, endlich sind die sieben Halbgötter bei ihrer finalen Aufgabe angekommen und es wurde auch Zeit...Doch was bei ich beim letzten Buch so sehr vermisste, ließ sich hier wenigstens wieder finden. Feiner, sarkastischer Humor. Ausnehmend gut hat mir natürlich wieder Apollo gefallen, dementsprechend auch sein Sohn. Beide sehr unterhaltsam. Das Die Helden des Olymps nichtsdestotrotz nicht mit der Percy Jackson Reihe mithalten können, ist für mich klar. Doch ist es eine nette Weiterführung, die man mal nebenbei wegschroten kann. Die zusätzlichen, "neuen" Charaktere gewinnen für mich nicht so viel emotionale Nähe wie zum Beispiel Grover, Annabeth und Co.KG, aber sei es drum. Es unterhielt mich und was will man mehr?

Review
3.5 Stars
Wat schön
Austen Zum Geniessen - Michael Adrian

Ach Kinners...die gute Jane macht einen doch immer wieder glücklich. Mich zumindest. Selbstbewusste Frauen (für ihre Zeit), die eigenbestimmt leben wollen, Intrigen, Missverständnisse, Liebe und Gesellschaft. Es ist wirklich unterhaltsam. Und in diesem netten Buch sind jegliche Werke Austens vereint. Genau das richtige für den Start in den Herbst. Mit einer Tasse Tee kann man es sich mit all den starken Frauen gut gehen lassen. Es gibt nur die kleine Einschränkung, dass man sich vielleicht mit den Austen Büchern auskennen sollte, sonst kommt man vermutlich nicht so richtig rein in die jeweiligen Ausschnitte mit ihren mannigfaltigen Charakteren, Irrungen und Wirrungen. Nichtsdestotrotz war es ganz zauberhaft - ich bin nach wie vor Jane Austen Fan

Review
3 Stars
Bruchlandung
Mr. Vertigo - Paul Auster, Werner Schmitz

Ich versuche diesem Buch kein Unrecht zutun. Ich muss ja gestehen, dass ich es für unseren Buchclub vorgeschlagen habe. Zu meiner Verteidigung - da konnte ich ja noch nicht ahnen, wo das alles enden sollte.

In meinen Augen fing es wirklich vielversprechend an: ein kleiner armer, verrotzter und rotziger Junge wird von einem jüdischen Ungarn aufgelesen, der ihm große Dinge verspricht: das Fliegen. Es gibt Konflikte, Freundschaften entstehen und wachsen. Auch da gab es schon Momente, bei denen ich dachte "warum muss das denn jetzt sein?" (Wieso muss man sich den kleinen Finger abschneiden?). Doch alles in allem war der erste Teil des Buches gut. Ich war wirklich angetan und emotional einbezogen. 

Wenn dann der Meister stirbt, verliert die Geschichte ihren Fokus. Oder ich verstehe den Fokus schlichtweg nicht. Die letzten 100 Seiten sind mir ein Rätsel. Die Geschichte wurde behutsam aufgebaut, um sie dann im Zeitraffer zu zerstören. Wen interessiert es denn was dann passiert? Vor allem weil es so lieblos und zusammenhanglos erzählt wird. Außerdem finde ich die Lösung, dass Walt seine Memoiren schreibt super ungelenk. 

Leider bin ich enttäuscht und ich frage mich noch immer, wozu dieser zweite Teil gut sein sollte. WOZU?

Quote
„Eine Frau von siebenundzwanzig Jahren“, sagte Marianne nach einer kurzen Pause, „kann nicht darauf hoffen, jemals wieder zu lieben oder geliebt zu werden.

Austen zum Genießen, Seite 20

Review
3 Stars
Wer hätte es gedacht
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. - Milan Kundera

...aber das Buch wurde doch noch zu Ende gelesen. Nach nur vier Wochen. Und es lässt mich so gar nicht glücklich zurück. Noch nicht mal die gute glückliche Traurigkeit ist anwesend. Ich fühle mich nur ausgelaugt. 

Der Klappentext versprach mir noch ein intellektuelles Feuerwerk voller Sentimentalität und Humor. Das ist irgendwie an mir vorbeigegangen. 

Hauptsächlich geht es um Tomas und Teresa, die sich lieben. Auf eine wie auch immer geartete Weise. Das will ich nun auch gar nicht in Frage stellen, denn die Hollywoodliebe aus den Filmstudios will ich nicht unterstützen. Ich glaube fest daran, dass man unterschiedlichst lieben kann. Das tun auch Tomas und Teresa, aber auf eine so selbstzerstörende Art, die mich wahnsinnig anstrengte. Und erschreckte. Und zweifeln ließ. Wie viel kann oder sollte man aushalten, um den Gegenüber nicht zu verlieren? Verliert man sich dabei nicht selber? Muss das der Preis sein?

Das Buch war für mich hauptsächlich unerträglich, die Leichtigkeit ist mir währenddessen abhanden gekommen. 

Zudem fand ich den Aufbau des Buches schwierig. Es gibt nicht nur Sprünge in Zeit und Erzählsträngen, sondern auch in Erzählperspektiven. Manchmal spricht der Autor den Leser direkt an, was mich wahnsinnig irritierte. Wozu? Außerdem gibt es dann noch einen Nebenkriegsschauplatz, der meiner Meinung nach vollkommen irrelevant ist. Vermutlich habe ich aber das ganze Werk nicht verstanden. Schade. 

So wollte ich das neue Lesejahr zwar nicht einläuten, doch es kann ab hier ja quasi nur bergauf gehen. 

Menschliche Abgründe
Sieben Jahre - Peter Stamm

Eine Geschichte, die man eigentlich nicht im Bett lesen will. Es gruselte mich tatsächlich fast durchgehend beim Lesen wegen der menschlichen Abgründe, die sich dabei auftaten. Es ist gar fürchterlich. Und dabei ist der Schreibstil ziemlich direkt und lässt keinen Raum für Interpretationen.

Den Protagonisten finde ich nahezu widerlich, wie er sich vor jeglichen Verantwortungen versteckt und wegduckt. Er lässt sich vom Leben treiben, verteilt Schuld großzügig und hinterfragt dabei sich selbst nie. Zusätzlich kann ich sonst auch niemanden in diesem Buch leiden. Alle sind mit sich beschäftigt, verfolgen das Leben, das man angeblich leben sollte und leben dabei doch nicht. Es ist tragisch. Oft wollte ich die Personen anschreien und das Buch in die Ecke werfen. Und auch das hätte mir nicht geholfen. Es ist und bleibt ein Buch, bei dem man einen ekligen Geschmack im Mund behält.

Gut gemacht, aber eben nicht zum Wohlfühlen

Review
2.5 Stars
Ääh...Moment mal kurz
Lasst die Bären los - Michael Walter, John Irving

Ich bin eigentlich Fan von John Irving. Aber wenn Sätze schon mit "eigentlich" anfangen, dann kann es nicht wirklich gut enden.

Ich hatte mich sehr auf "Laßt die Bären los" gefreut. Und es ist bei mir auch nicht ungewöhnlich, dass ich bei Irvings Werken erstmal 100 Seiten brauche, um mich in seinen wirren und ausschweifenden Schreibstil einzulesen. Es passiert nicht selten, dass Dinge abstrus beschrieben werden und ganz klein, in einem unbedeutenden Nebensatz dann irgendwelche wichtigen Personen sterben oder aus dem Nichts auftauchen. Es sind nie Bücher, die man mal eben nebenbei oder im Bett liest. Aufmerksamkeit ist gefordert. Zumindest von mir.

Doch dieses Mal brauchte ich keine 100 Seiten zum Reinfinden, sondern geschmeidige 350 Seiten. Wie gut, dass das Buch über 500 davon besitzt. Da kann man ordentlich Anlauf nehmen. Ich war tatsächlich auch zu stolz um aufzugeben. Gegen Ende, als ich mich wohler mit dem Buch fühlte, machte das Lesen auch wieder Spaß. Aber die erste Hälfte war mehr Qual als Vergnügen. Die Geschichte ergab für mich keinen Sinn, ich wusste so gar nicht wohin die Reise gehen sollte. Und dann wird, nachdem man sich einigermaßen zurechtfindet, ein Zwischenteil eingeschoben, in dem es um die Vergangenheit und Vorgeschichte des einen Protagonisten geht. Nebenbei werden auch einige Irrungen und Wirrungen des 2. Weltkrieges behandelt. 

Ständig hatte ich das Gefühl, dass Irving 2936 Ideen in ein Buch packen wollte. Ein wenig anstrengend. 

Nichtsdestotrotz gehe ich nicht mit einem allzu schlechten Gefühl aus der Sache heraus. Es ging dann, falls ich mich nicht vollkommen täusche, doch um Freundschaft und Verbundenheit und um Freiheit - für Mensch und für Tier.

Eigentlich ganz schön

Review
4 Stars
Schrulligkeit gewinnt
Die Vermessung der Welt (Rachuba świata) - Daniel Kehlmann

In irgendeinem Zusammenhang hat man die die Namen "Gauß" und "Humboldt" sicherlich schon gehört. Und vermutlich hat man dann nur sehr weise Wissenschaftler vor seinem inneren Auge gesehen. Mir ging es zumindest so. Jegliche Genies aus den vorangegangen Zeiten sind für mich immer anständige, weise und gesetzte Herren. 

Doch bei Daniel Kehlmann strotzen Gauß und Humboldt nur so vor Eigenarten, Eigensinnigkeit und Schrullen. Es ist herrlich menschlich. Nur allein deswegen würde ich dieses Buch jedem empfehlen. 

Man begleitet sowohl Gauß als auch Humboldt auf ihren jugendlichen Wahnsinn. Ist dies ein Tatsachenroman? Sicherlich nicht. Aber darum geht es auch gar nicht. Es wirft ein sehr menschliches Licht auf zwei große Wissenschaftler. Gerade das finde ich sehr erfrischend und bezaubernd. Lesen! 

Review
3.5 Stars
und es gab sie doch
Die Päpstin - Donna Woolfolk Cross, Wolfgang Neuhaus

Nun gut, diese Geschichte ist mir nicht neu: Angeblich soll im 9. Jahrhundert für zwei Jahre eine Frau auf dem Thron der katholischen Kirche gesessen haben. Mit dieser Legende (oder laut Autorin diesem Fakt) beschäftigt sich die Geschichte. Zum Glück gipfelt das Buch erst in der Tatsache, dass Johanna Papst wird. Denn zu diesem Zeitpunkt kann ich sie nicht mehr unbedingt leiden. Als Johanna ein Kind ist, ist sie wissbegierig, neugierig und trotzig, weil sie nicht einsehen kann, dass nur Jungs lernen dürfen. Da darf man schon mal bockig sein. Und auch wie sie für sich einsteht und für ihre Bildung kämpft fand meine Sympathie. Doch je weiter Johanna, mittlerweile verkleidet als Mann, in der Kirchenhierarchie kommt, desto mehr finde ich sie anstrengend. In meinen Augen verliert sie ihre Ideale. Es geht nicht mehr unbedingt darum viel Wissen zu erlangen, sondern auch Macht. Natürlich verstehe ich die Argumentation dahinter - nur wer Einfluss hat, kann auch sein Wissen anwenden. Aber was ist für Johanna vorrangig? Da bin ich mir nicht immer so sicher... Außerdem kann Johanna immer alles, ihr gelingt alles und sie trifft immer die besten Entscheidungen. Ein wenig zu unfehlbar für mich.

Aber vermutlich widerstrebt mir auch einfach die Ansichten eines streng religiösen Zeitalters. Das vehemente Machtgehabe und das Unterdrücken von jeglichen Menschen, das nervt meine emanzipierte Persönlichkeit.

Nichtsdestotrotz war es unterhaltsam, dass eine Frau die ganze Kirche an der Nase herumgeführt hat. Allein deswegen möchte ich an die Päpstin glauben!

Review
4 Stars
Schöne neue Welt...
Der Report der Magd: Roman - Margaret Atwood, Helga Pfetsch

...oder eben nicht. Was für ein entsetzliches Buch. Was für eine schreckliche Vorstellung. Hier geht es um eine Dystopie, in der Frauen eine besondere Rolle zugewiesen bekommen. Für einen ganz kurzen Moment denkt man sich: Toll, wir Frauen sind ja auch super.

Aber hier geht es nicht darum, die Frauen zu feiern. In dem fiktiven Staat Gilead werden Frauen in unterschiedliche Klassen eingeteilt. Theoretisch ist es die höchste Aufgabe Kinder zu gebären. Aber nur mit zugeteilten, ranghohen Männern. Und sollte die zugeteilte Frau, die Magd, nicht schwanger werden, ist das natürlich ihre Schuld und wird ausgemustert. Hallo Mittelalter. Frauen sind nur noch Objekte, Gefäße, die leer und zu füllen sind. Es ist bitter und widerlich. Und am entsetzlichsten finde ich, dass viele dystopische Ideen von Margaret Atwood mir gar nicht so fremd vorkamen. Das alles hat es gefühlt schon mal gegeben. Kinder, die ihren Eltern entrissen werden, um sie an kinderlose "würdigere" Eltern zu geben. Frauen, die unterdrückt und missbraucht werden. Frauen, die Frauen misshandeln - physisch und psychisch. Die Liste ist endlos und schrecklich. 

Ein mahnendes Buch, dass mir als Frau besonders vor Augen führte, wie wichtig es ist für sich und andere einzustehen und es sich nicht gefallen zu lassen unterdrückt zu werden. Wie klein und harmlos es einem vielleicht auch manchmal erscheint...Ich bin niemandes Liebchen und ich gehöre auch niemanden!

Review
3.5 Stars
Von Herzschmerz und Mord
Eine Studie in Scharlachrot -  Arthur Conan Doyle

Der gute Mister Sherlock Holmes. In "Eine Studie in Scharlachrot" begegnen wir ihm und Mr. Watson zum ersten Mal. Eine kuriose Begegnung, die gleich zeigt, was für ein verquerer und verschrobener Vogel doch Holmes ist. Aber nicht ganz so bizarr wie ich ihn mir manchmal vom Hörensagen vorgstellt habe. Sicherlich, so richtig gesellschaftskonform ist er auch nicht ("Wen interessiert schon das Sonnensystem? Es hat ja doch keinen direkten Einfluss auf mein Leben"). Manchmal frage ich mich sogar, ob er nicht einige autistische Züge hat mit seinen Inselbegabungen. Aber das sei mal so dahin gestellt.

Die Geschichte verliert keine Zeit und springt quasi direkt in den Fall, der die Londoner Polizei und Watson vor lauter Rätsel stellt. Nur Holmes scheint gleich den Durchblick zu haben. Daran lässt er Watson, und somit auch den Leser, beschränkt teilhaben - genug um an der Stange und neugierig zu bleiben. Und plötzlich ist der Mörder geschnappt und man sich nur fragt: "Hä?? Wie jetzt?" und wird damit allein gelassen. Denn spontan wechselt der Spielort und alle Figuren. Zunächst etwas verwirrend, bis man schnallt, dass das die Vorgeschichte ist. Aber eine kleine Vorwarnung wäre schon nett gewesen. Nichtsdestotrotz ist auch die Vorgeschichte spannend und mit Herzschmerz versehen. Am Ende finden die beiden Geschichten doch noch zusammen und Sherlock Holmes bietet seine grandiose Schlussfolgerung (war ja fast selbsterklärend und offensichtlich... ;-D).

Eine schöne, kurzweilige Geschichte, die ein gutes Maß an Spannung und Liebeskummer bietet. Man bleibt ein Holmes-Fan

Review
4 Stars
Sodom und Gomorrha
Der Name der Rose - Umberto Eco, Burkhart Kroeber

Ein Klassiker schlechthin. Und zunächst erfüllt er das Klischee eines Klassikers: es liest sich am Anfang eeeetwas holprig. Doch kaum nach 100 Seiten hat man sich eingelesen und ist aufnahmefähig für den feinen Humor und Sarkasmus, der einem zwischen den Seiten entgegenweht. Und natürlich schlägt mein Herz für William - ein englischer Mönch, der mit dem selbigen, landestypischen Humor gesegnet ist. Dieser ist mit dem Novizen Adson unterwegs (aufgrund allerlei politischen und kirchlichen Wirrungen, die ich vermutlich nur halb verstanden habe). Beide gelangen zu einer Abtei, in der sich bald die Ereignisse überschlagen. Wie die Fliegen sterben die Mönche, immer unter mysteriösen Umständen. William, ehemaliger Inquisitor, soll dem Morden ein Ende setzen und "ermitteln". Schnell wird klar, dass die Bibliothek eine große Rolle spielen muss. Diese wird gehütet und ist geheimnisumwoben. 

Zuerst dachte ich, dass das jetzt so ein Mittelalterklopper ist, gespickt mit religiösen Brimborium. Und sicherlich gibt es viel religiöses Gedöns, aber dieses wird oft von William spitzfindig hinterfragt und auf die Probe gestellt. Schön fand ich das. Außerdem gefiel mir auch der Krimianteil in diesem Buch.

Schlussendlich stellt sich heraus, dass all die Leute sterben mussten, weil ein Mönch ein Buch versteckte, welches den Humor und Sarkasmus guthieß. Absolut angemessen muss ich doch da sagen....

 

Abschließend sei eine Stelle zitiert, die mir unter all den vielen, besonders gut gefiel:

>>Wie schade!<< rief ich enttäuscht. >>Ich wäre gern einmal beim Spazierengehen im Walde einem Einhorn begegnet! Wozu geht man sonst im Walde spazieren?<<

Ja, wozu? Berechtigte Frage

Review
3.5 Stars
Nein zum Staubsauger
Die Teppichvölker - Terry Pratchett, Andreas Brandhorst

Ich habe es schon immer gewusst: staubsaugen bringt nichts Gutes! Und mit "Teppichvölkern" wurde mir dies bestätigt.

Terry Pratchett beschreibt Völker, die in einem Teppich wohnen. Wer hätte das bei diesem Titel ahnen können. Nun ist die Vorstellung aber gar nicht so weit hergeholt, denn wer weiß schon, was da alles so kreucht und fleucht. Somit findet dies schon mal meine Begeisterung. Einzig und allein verwirrte mich zu Beginn die Vermischung von Fantasie und Realität. Es gibt fiktionale Tiere im Teppich wie "Snargs", aber auch gut bekannte Silberfischchen (Vorsicht. Superböse!), ist die Holzwand nur eine Holzwand oder bekommt man irgendwann raus, dass es sich tatsächlich um ein Streichholz handelt. Dementsprechend muss man ziemlich gut aufpassen und immer wieder die Dinge hinterfragen. Aber man gewöhnt sich dran und erfreut sich an den Abenteuern, die die Demii, Defmeten und Konsorten miteinander und gegeneinander erleben. Und stetig leben sie und der Leser in der Angst vor dem Großen Scheuerer, der alles vernichtet.

Besonders hübsch finde ich das Nachwort. "Die Teppichvölker" beruhen nämlich auf einer Kolumne von Pratchett aus dem Jahr 1965, und die bekommt man mal nebenbei auch ausschnittsweise präsentiert. Nett finde ich das. Und zusätzlich ist das Buch auch mit Illustrationen "vom Großmeister höchstselbst" gespickt.

Man merkt aber, dass die Scheibenweltromane später entstanden sind und der spitzfindige Humor, den ich so sehr bei Pratchett liebe, noch Raum zum Entwickeln hatte. Schön ist es dennoch!

Review
4 Stars
Mein Herz schlägt für Tang
Der Roboter, der Herzen hören konnte: Roman - Deborah Install, Susanne Goga-Klinkenberg

Ein Buch voller Herzenswärme und Liebe. 
Es geht an sich um Ben, der mit seiner Ehe und seinem Leben so vollkommen im Unreinen ist und um Tang, den kleinen Roboter, der plötzlich aus dem Nichts erscheint. Es kommt, wie es kommen muss - Ben kümmert sich um Tang, denn Tang leckt und keiner weiß so genau, wie man ihn reparieren soll.

Und auch das ist klar - Ben lernt das Leben lieben und Verantwortung zu übernehmen durch den Roboter. Also, man muss sagen, dass die Handlung an sich keine großen Überraschungen birgt. Doch was mich so sehr verzaubert hat, ist die Beschreibung von diesem zuckersüßen Roboter. Ein viereckiger Kasten, der alles wie ein Kleinkind lernt. Und dazu gehört eben nicht nur nett und lieb zu sein, sondern auch Trotzanfälle vom Feinsten zu bekommen und Ben zu manipulieren. Und wie das oft auch bei Kindern so ist, steckt in Tang unglaublich viel naive Weisheit, die mich dann doch berührte.

Ein Buch, das man mal so zwischendurch lesen kann und am Ende einfach ein schönes, wohliges Gefühl im Bauch hat. Schön ist das

Review
1.5 Stars
Zäh wie Gummi
Thomas & Mary - Marty Parks

Wo soll ich anfangen? Eigentlich dachte ich, das wird ein Buch mit Tiefenpsychologie. Mit Vorwürfen, Anschuldigungen und Selbsterkenntnissen. 

"Thomas&Mary"ist ein Roman über eine Ehe, die schon am Ende ist. Es gibt aber kein Geschirrgewerfe oder Aufgestampfe. Das stört mich auch nicht. Was mich aber nervt ist das Selbstmitleid, hauptsächlich von Thomas, der der Erzähler ist. Natürlich ist bei einer Trennung auch Selbstmitleid dabei. Aber da ist doch noch so viel mehr. Es ist ein ziemlich oberflächlicher Roman, der mir durchgehend ein gereiztes "ooaahrr" hervorlockte. Vielleicht war ja auch das das Ziel...vielleicht aber auch nicht

Image
So lässt es sich aushalten an einem Sonntag
So lässt es sich aushalten an einem Sonntag

liest gerade

Bereits gelesen: 478/1208pages
Mathilde und der Duft der Bücher - Christian Kolb, Anne Delaflotte