Sag bloß Mama nichts davon - Charles Carillo, Julika Brandestini

Grundlegend ist die Idee dieses Romans eine gute - Vater und Sohn verbringen ein Wochenende zusammen und wollen sich nur die Wahrheit sagen, sich aussprechen und an ihrer Beziehung arbeiten. Die Eltern sind geschieden, der Sohn ist im feinsten Teenageralter und es gibt genügend Konfliktpotenzial. Es gäbe auch vor allem genügend Redebedarf. Doch da bleibt die Geschichte schon stecken. So richtig geht es nämlich nicht um die Vater-Sohn-Beziehung, sondern vielmehr um die Vergangenheitsbewältigung des Vaters. An und für sich ist es natürlich schön, wenn die Kinder sich für die Vergangenheit der Eltern interessieren. Doch war das das Thema? Ich hatte es mir anders vorgestellt. Und die Kindheit des Vaters gestaltet sich so abstrus, verworren, dient für jegliche Ereignisse in der Zukunft als Entschuldigung, dass es mich langweilte. Dabei denkt sich der Sohn nur: "Ja, klar. Voll furchtbar. Ich verstehe das alles Vati. Jetzt haben wir eine bedeutende Beziehung!"

Mir leuchtet ein, dass das Teilen der traumatischen Erlebnisse verbindet. Aber das Ganze ist mir viel zu oberflächlich. Tatsächlich gibt es gar keinen Konflikt. Der super Sohn ist sehr verständnisvoll und die angeblich verkorkste Beziehung (in den Augen des Vaters) ist ziemlich in Ordnung (in meinen Augen). Kann natürlich sein, dass dieser 17 jährige der reflektierteste Typ auf Erden ist, aber wie wahrscheinlich ist das? 

Abschließend haute es mir den Vogel raus, als der Vater seinen Vater nach 18 Jahren trifft, die beiden ein Bier trinken, kurz über alles reden und schwups - alles wieder gut. Egal, dass man sich so lange ignoriert hat, Herzen gebrochen und Stolz verletzt wurde. Ende gut, alles gut. Oder eben nicht, wenn man etwas Tiefschürfendes erwartet hat.